Gien Porzellan

Als die Faïencerie de Gien wurde 1821 in Gien (Val de Loire) gegründet wurde, bot der Standort hervorragende Standortbedingungen für die noch jungen Branche der Porzellanherstellung. Gien war ein bedeutender Handelsumschlagplatz und verfügte über zahlreiche Rohstoffe wie Ton, Sand und Kieselsteine aus der Loire; zudem sicherte der Transportweg über die Loire die Versorgung mit Holz aus den Wäldern von Orléans, das als Brennstoff für die Brennöfen genutzt wurde.

Gien Manufaktur

In den Jahren 1821–1850 konzentrierte sich die Manufaktur auf die Herstellung von weißem Steingut in achteckigen Formen sowie auf kunstvolle Designs, die Silberwaren nachahmten. Später wurden thematisch gestaltete Teller eingeführt, die den Geschmack und die Kultur jener Zeit widerspiegelten.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Faïencerie kreativer. Mit zunehmender Erfahrung verfeinerten die Kunsthandwerker ihr Können. Die Manufaktur konnte nun dekorative Stücke und Tafelservices anbieten, die von Rouen, Sachsen, Marseille, der Renaissance, dem Osmanischen Reich und der Antike inspiriert waren. Sowohl technisch als auch künstlerisch diversifizierte sich die Faïencerie de Gien. Diese Arbeit und Anstrengungen wurden weit über die Grenzen Frankreichs anerkannt und mit ersten Preisen sowie Gold- und Silbermedaillen auf Weltausstellungen ausgezeichnet.

Bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs expandierte die Faïencerie de Gien weiter und erschloss den gehobenen Markt mit personalisiertem Tafelgeschirr, das mit Familienwappen europäischer Adelsgeschlechter verziert wurde als neues Geschäftsfeld.

Hausfordernde Zeiten

Gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Umbrüche prägten die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts was für die Herstellung in Gien auch moderne Produktionsmethoden und die (Weiter-) Entwicklung der Dekore bedeutete. Doch auch moderne Faïencerie de Gien Produktionstechnik konnte die deutlich günstigeren Wettbewerber aus dem europäischen Ausland nicht dauerhaft auf Distanz halten. In der Folge konzentrierte man sich auf die Fliesenproduktion und beteiligte sich an Architektur- und Immobilienprojekten.

Gien Porzellan – Limitierte Editionen

Mit der Rückbesinnung auf die handwerkliche Exzellenz und der Eröffnung des hauseigenen Museums begann bei Faïencerie de Gien in den 1980er Jahren in eine neue, erfolgreiche Unternehmensentwicklung. Handbemalte Stücke und limitierte, nummerierte Editionen sowie für Gien Porzellan entwickelte Designentwürfe international bekannte Gestalter wie Paco Rabanne, Andrée Putman, Patrick Jouin und Isabelle de Borchgrave schafften eine neue Wertigkeit für Porzellan und Marke.

Auch heute fertigt die Faïencerie de Gien in Frankreich, ist Mitglied des renommierten Colbert-Komitees, das die führenden französischen Luxusmarken vereint und trägt das Label „Entreprise du Patrimoine Vivant“ (Lebendes Kulturerbe).