François Boch, von Beruf Eisengießer und beheimatet in dem lothringischen Dorf Audun-le-Tiche entschließt sich im Jahr 1748 zu einem beruflichen Neuanfang und startet zusammen mit seinen drei Söhnen die Herstellung von Keramikgeschirr.
Das nahe Luxemburg gehört zu den ersten Zielmärkten der Bochs, weshalb die Bitte an die österreichische Regierung um die Erlaubnis zu dem Aufbau einer Produktionsstätte gerichtet wird. Eine Bitte, die Kaiserin Maria Theresia gestattet, so dass in Septfontaines / Luxemburg eine erste, frühindustrielle Serienproduktion eröffnet wird.
Die heute noch beliebte Tischkultur-Serie Villeroy & Boch Alt Luxemburg ist auf diese frühe Unternehmensphase mit dem von Pierre-Joseph im Jahr 1770 entwickelten Brindille-Dekor zurückzuführen.
Jean-François Boch und Nicolas Villeroy
Nachdem der Kaufmann Nicolas Villeroy im Jahr 1791 gemeinsam mit zwei Partnern eine Steingutfabrik in Vaudrevange erwirbt und nachfolgend zu den ersten Keramikfabrikanten, die Kohle als Brennstoff einsetzen gehört, kauft Jean-François Boch Im Jahr 1809 die ehemalige Benediktiner-Abtei in Mettlach an der Saar. Dort errichtet er eine hoch-moderne, weitgehend mechanisierte Geschirrfabrikation deren Maschinen er zum Teil selbst konzipiert hatte. Das Gebäude wird heute als Konzernzentrale von Villeroy & Boch AG genutzt.
Die Werke der Unternehmer Boch und Villeroy liegen nicht weit voneinander entfernt. Hin und wieder treffen sich auch die beiden Konkurrenten, die über die Grenzen Deutschlands hinaus erfolgreich ihre Produkte vermarkten. Doch um im europäischen Wirtschaftsgefüge, vor allem neben der dominierenden englischen Industrie bestehen zu können, schließen sie einen Fusionsvertrag. Das Unternehmen Villeroy & Boch entsteht, das die Stärken beider Seiten, gestalterisches Talent, Kaufmannsgeist, Innovationskraft und Produktionskapazität bündelt und zu den ersten Global Players des 19. Jahrhunderts zählt.
Internationalisierung und Tischkultur Voll-Sortiment
1843 erweitern Villeroy und Boch das Produkt-Portfolio mit der Cristallerie Wadgassen um eine Glasproduktion und ergänzen das bestehende Geschirr um ein ergänzendes Gläser-Sortiment, welches zunehmend internationaler verkauft wird. So gehen ab 1847 größere Sendungen nach Paris, Warschau und London, der Ausbau der Infrastruktur vereinfacht zunehmend den Export, so dass auch Moskau und St. Petersburg und Ziele in Skandinavien, Italien, Spanien, Griechenland, in die Schweiz und die Türkei sowie ab ca. 1850 Nord- und Südamerika beliefert werden.
Villeroy & Boch Art Déco und die Zeit des Bauhaus
Die sachliche, zweckorientierte Formsprache des Bauhaus und das elegant-luxuriöse Art Déco prägten den Stil des frühen 20. Jahrhunderts – und damit auch die Villeroy & Boch Kollektion. Designer Henry van de Velde, der mit dem „Kunstgewerbliche Seminar“, die Vorgängerorganisation des Bauhauses gegründet hatte, schuf ebenso wie Peter Behrens, Mitbegründer des Deutschen Werkbundes, Geschirrkollektionen für Villeroy & Boch.
Villeroy & Boch Bone China Porzellan
1976 wird die Porzellanmanufaktur Heinrich, beheimatet im bayerischen Selb Teil von Villeroy & Boch und eröffnet die Chance jenes technisch besonders anspruchsvolle Bone China Porzellan herzustellen, welches Villeroy & Boch nachfolgend als erster Produzent auf dem europäischen Kontinent vermarktete. Dazu gehört auch das „Papst Porzellan“, welches seit 1955 in der Manufaktur in Selb gefertigt und an Papst Johannes Paul II und an Papst Benedikt XVI überreicht wurde.
Villeroy & Boch Design-Kompetenz
Form und Dekor sind seit den frühen Tagen des Unternehmens ein wichtiger Baustein für den Unternehmenserfolg. Die Kompetenzen erweitert das hauseigene Designer-Team mit international erfolgreichen Designern, die Entwürfe und Dekore für Villeroy & Boch entwerfen. Dazu gehören unter anderem Luigi Colani, Matteo Thun, Keith Hearing, Conran, Kenzo, Joop, Roberto Capucci und Isabelle de Borchgrave.
Keramikmuseum Mettlach
Über 275 Jahre Unternehmensgeschichte, die Entwicklung der Tischkultur und wertvolle Exponate aus vier Jahrhunderten hat Villeroy & Boch in dem Keramikmuseum Mettlach für die Öffentlichkeit in einer vielseitigen Ausstellung zusammengeführt.